Die zweite Kindheit: Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten

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Die zweite Kindheit: Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten

Die zweite Kindheit: Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten

Wie wachsen wir auf, wenn uns das Wissen um unsere eigene Hochbegabung fehlt? Mit diesem Thema setzen wir uns in diesem Blogbeitrag über „Die zweite Kindheit: Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten“ auseinander.

Die Entdeckung der eigenen Begabung im Erwachsenenalter führt uns oft in eine „zweite Kindheit“ zurück. Die Entwicklungsstufen der ersten, biologischen Kindheit – wie der Aufbau von Hoffnung, Autonomie, Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen – wurden in einem Kontext durchlaufen, in dem entscheidende Informationen über uns selbst fehlten. So entfaltete sich unsere Identität auf eine Weise, die weniger authentisch sein konnte, als sie es verdient hätte.

Wir wuchsen in einer Zeit auf, in der es kein Internet gab und Informationen schwerer zugänglich waren. In einer Zeit, in der Psychologie noch mit Vorurteilen behaftet war und es als Schwäche galt, sich Unterstützung zu suchen. Unsere Eltern gaben ihr Bestes und doch hinterließ das damals noch wenig verbreitete Wissen über Neurodiversität und Hochbegabung seine Spuren in unserer Erziehung und in uns.

Wir wurden erwachsen – und trugen dabei ein verzerrtes Bild von uns selbst und von der Welt mit uns. Wir sehnten uns danach, dazuzugehören, und verstanden oft nicht, warum wir uns so anders fühlten. Da war dieses schwer greifbare Gefühl, fehl am Platz zu sein – zu viel zu sein und gleichzeitig nicht genug. Als wäre die Welt, in der wir lebten, einfach nicht ganz die unsere.

Ausgerechnet das, was uns heute ausmacht und woraus wir unsere Stärke und unser Können schöpfen, war lange eine Quelle von Scham und Verwirrung.

In der Entdeckung unserer Hochbegabung im Erwachsenenalter bekommen wir nun die Möglichkeit, wesentliche Schritte unserer sozialen und psychologischen Entwicklung nachzuholen – diesmal auf eine Weise, die unsere Begabung einschließt, anstatt sie zu übergehen. Wir finden endlich „unsere“ Welt: eine, die groß und komplex genug ist, um uns so sein zu lassen, wie wir wirklich sind.

 

Aber was sind die Phasen der psychosozialen Entwicklung für Hochbegabte?

Basierend auf Erik Eriksons Modell der psychosozialen Entwicklung können wir die spezifischen Konflikte betrachten, die hochbegabte Menschen in verschiedenen Lebensphasen erleben.

Auf diese Phasen, Überlebensstrategien und die Adoleszenz werden wir in den kommenden Blog-Beiträgen eingehen. Wir tauchen ein in unsere erste Kindheit, unsere Entwicklung und den Weg in unser neues, vollkommenes Ich.

 

Heute geht es um die Phasen der hochbegabten Kindheit – das Urvertrauen (Infantilität).

Ein hochbegabter Säugling muss Vertrauen in sein (hochbegabtes) Selbst und seine Bezugsperson entwickeln. Ist das Kind entwicklungstechnisch schneller, qualitativ anders oder emotional bedürftiger als andere Säuglinge und wird darauf nicht eingegangen, kann schon hier Misstrauen entstehen. Auch im Alter von 1–2 Jahren können Kinder sich anders, unterfordert oder unverstanden fühlen.

Das Urvertrauen nach Erik Erikson ist das grundlegende Gefühl eines Babys, dass die Welt sicher, verlässlich und berechenbar ist. Es entsteht aus der Erfahrung, dass zwischen der Welt und den persönlichen Bedürfnissen eine Übereinstimmung herrscht. Eine bedingungslose Zuwendung, schnelles Reagieren sowie Nähe bilden das emotionale Fundament für das gesamte spätere Leben.

So entsteht das Urvertrauen:

Verlässlichkeit: Weint oder schreit ein Baby, dann hat es ein konkretes Bedürfnis. Das schnelle Reagieren und Stillen dieser Bedürfnisse signalisieren dem Baby: „Ich bin sicher – um mich wird sich gekümmert.“

Körperkontakt: Intensives Kuscheln, Tragen und die Nähe der Eltern geben dem Baby das Gefühl von Sicherheit.

Geduld und Rituale: Feste Tagesabläufe und wiederkehrende Abläufe geben Orientierung und ein Gefühl der Vorhersehbarkeit.

 

Die Folgen von Urmissvertrauen:

Erlebt das Baby mangelnde Fürsorge, Kälte oder wird „schreien gelassen“, entwickelt sich ein Urmissvertrauen. Dies führt beim Kind zu Hilflosigkeit, Angst und Unsicherheiten im weiteren Leben.

Wichtig ist jedoch zu beachten, dass das Kind durch andere Aufgaben der Mutter im Tagesablauf auch einen Hauch von Misstrauen kennenlernt. Für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung ist es jedoch wichtig, dass sich das Vertrauen stärker entwickelt.

 

Das erste Lebensjahr ist die früheste Erfahrung eines Menschen, entweder Verlässlichkeit durch die Bezugsperson zu erleben oder eben mangelnde Konstanz, Unzuverlässigkeit oder Vernachlässigung. Dieses erste Jahr entscheidet, ob wir ein Gefühl des Sich-Verlassen-Dürfens, die Glaubwürdigkeit anderer und die Zuverlässigkeit seiner selbst entwickeln. Diese Phase ist ein grundlegender Eckpfeiler unserer gesunden Persönlichkeit, der bei Nichtgelingen ein grundlegendes Gefühl auslöst, dass wir und die Welt nicht in Ordnung sind.

Im nächsten Beitrag werden wir uns die Phasen des Kleinkindalters und der frühen Kindheit ansehen.

Wenn dich das Thema „Die zweite Kindheit: Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten“ angesprochen hat, melde dich gerne für ein kostenloses Erstgespräch unter unserem Konaktformular.

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