Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten – Generativität und Ich-Integrität
Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten – Generativität und Ich-Integrität
In unserem letzten Teil der Blog-Reihe geht es um die Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten – Generativität und Ich-Integrität. Wie erleben wir die Phasen der mittleren Erwachsenster und des höheren Alters?
Generativität vs. Stagnation (Mittleres Erwachsenenalter)
„Kann ich mein (hochbegabtes) Leben als bedeutsam erleben?“
Viele Hochbegabte versuchen, ihr Leben nach fremden Maßstäben wertvoll zu machen. Es fühlt sich an, als sei es nicht genug, als könnte man mehr. Zu lernen, dass das Bedürfnis nach „Anderem“ neurologisch bedingt ist, wirkt oft außerordentlich befreiend.
Nach Erik Erikson ist diese Phase besonders intensiv. Es gibt einen hohen Drang nach Sinnhaftigkeit, Komplexität und intellektueller Tiefe und somit den Wunsch, bleibende Werte zu schaffen oder Wissen weiterzugeben. Man möchte, gelinde gesagt, einen „gesellschaftlichen Mehrwert“ erschaffen. Diese Herausforderung der Überwindung eigener Sinnkrisen glückt meist mit Hilfe der Generativität: Durch die Entwicklung neuer Ideen, Lösungen und das Eintauchen in Kunst, Wissenschaft und Philosophie. Viele empfinden auch eine große Erfüllung darin, als Mentoren zu wirken und somit die intellektuelle oder soziale Ader zu fördern.
Ich-Integrität vs. Verzweiflung (Höheres Alter)
Hier geht es um die Frage der Weisheit: „Bin ich zufrieden damit, wie ich meine Hochbegabung gelebt habe?“ Es ist nie zu spät, Herausforderungen anzunehmen, die dieses „Ja“ zum eigenen Leben ermöglichen.
In dieser letzten Lebensphase bilanzieren wir unser Leben:
– Wird das Leben als sinnvoll, kohärent und akzeptiert betrachtet?
– Überwiegen Bedauern, Bitterkeit und das Gefühl, Chancen unwiderruflich verpasst zu haben?
Die spezifischen Herausforderungen in unserer persönlichen Identitätsentwicklung und die Vorbereitung auf diese letzte Stufe können sich für Hochbegabte wie eine Achterbahnfahrt anfühlen. Unsere Begabung wirkt sich auf unseren inneren Konflikt aus, da Hochbegabte einen extrem feinen Sensor für Widersprüche haben. Die Messlatte für die eigene Moral liegt sehr hoch. Ein Leben abseits der eigenen Werte und gefüllt von Kompromissen kann im Alter zu tiefer Verzweiflung führen.
Das Gefühl, sein eigenes Potenzial verschwendet zu haben und durch weitreichende Überlegungen und tiefes Denken hinterfragen Hochbegabte ihren Lebensweg oft unbarmherzig. In einigen Fällen kann dies zu konstruktiver Weisheit führen, oftmals aber auch zu endlosen Gedanken und Selbstkritik.
Um nicht in diese Art der Verzweiflung zu geraten, hilft die Erkenntnis, dass man aus seiner Begabung auch schöpfen konnte und diese nicht nur ein Fluch war. Die eigene ständige innere Unruhe und der Perfektionismus gehören zur eigenen Persönlichkeit und sollten als diese auch anerkannt werden.
Unsere eigene zweite Kindheit
Heute haben wir Wege und Mittel, unsere „zweite Kindheit“ zu erleben. Mit Unterstützung durch Menschen, die uns verstehen, die denselben steinigen Weg bereits gegangen sind, besteht die Möglichkeit, sich endlich selbst kennenzulernen.
Wir können heute lernen, wie wir unsere Stärken, unser Können, unsere Bedürfnisse und unsere wunderbare Begabung wirklich leben können. Wo auch immer uns dieser Weg hinführt: Wir wissen, dass wir nicht allein sind, dass wir dazugehören – in unserem vollkommen neuen Ich.
Wenn dich das Thema „Psychosoziale Entwicklung bei Hochbegabten – Generativität und Ich-Integrität“ angesprochen hat, melde dich gerne für ein kostenloses Erstgespräch unter unserem Konaktformular.
Weitere Inhalte findest du auch auf unserem Instagramkanal zu den Themen Hochbegabung, Hochsensibilität & Neurodiversität: Instagram.











Dein Kommentar
An Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns Deinen Kommentar!